Besuch unseres Mitglieds Andrea Haufer in der Clinica Nuestra Senora de Guadalupe in Ecuador

Nach einer Reise durch das abwechslungsreiche Ecuador und dem Abschied von meiner Familie ging es nun alleine weiter nach Guadalupe.
Ein etwas mulmiges Gefühl hatte ich schon, ohne Begleitung in Lateinamerika weiter zu reisen.
Die Anreise von Cuenca aus mit dem Bus ging reibungslos und ich war trotz Dauerregen, der meine komplette Anreise begleitete, früher als erwartet vor Ort.
Im Gästehaus wurde ich dann sehr herzlich von den Kollegen empfangen.

Guadalupe ist ein kleines Dorf mit einer am Hang gelegenen Klinikanlage: einer Kirche, Konvent ( das Haus der Schwestern), Gästehaus und diversen weiteren Gebäuden.
Das Gästehaus ist komfortabel und in der Klinik ist alles Nötige vorhanden.
Ein sehr freundliches und hilfsbereites Personal stand uns zur Seite und war immer für einen Spaß zu haben.
Es gibt ein Cavitrongerät vor Ort und ein vielfältiges Angebot an Instrumenten.
Für einen geringen Unkostenbeitrag erhalten die Patienten hier Füllungen, Wurzelkanalbehandlungen (eher selten), Extraktionen, Prothesen, PZR oder Fissurenversiegelungen.

Die Patienten sind sehr freundlich und dankbar für die angebotene Behandlung.
Häufig geht dem Besuch in der Klinik eine sehr lange Anreise (3-7 Std.) voraus und um 8:00 Uhr, bei Öffnung der Klinik, sitzen schon viele Patienten auf den Bänken vor der Türe. Hin und wieder kommt es sogar vor, dass Patienten auf Matratzen vor der Klinik übernachten, da die Anfahrt während der frühen Morgenstunden bzw. in der Nacht aufgrund der Straßensituation und möglicher Erdrutsche nicht zu empfehlen ist.
Termine gibt es nicht, sodass viele Patienten halbe Tage oder länger hier verbringen. Geduldig warten sie, bis sie an der Reihe sind.

Ich durfte unter anderem einige Kinder behandeln und war erstaunt, wie aufgeschlossen die Eltern waren und Fissurenversiegelungen sofort zustimmten.
Erschreckend hoch war die Zahl der Karies und „white spot lesions“ , die fasst alle Kinder und viele Erwachsenen betrafen. Bei Hinterfragen der Ernährungsanamnese zeigt sich dann, dass die im Überfluss vorhandenen Früchte zu Fruchtsaft verarbeitet das „Standardgetränk“ sind und wohl der Hauptgrund für dieses Problem.

Leider ist das Trinkwasser vor Ort eher schlecht und um eine dauerhaft Veränderung der Situation zu etablieren, müssten wohl zuerst Wasserfilter zur Verfügung gestellt oder besser noch, von Seiten der Regierung die Wasserqualität generell verbessert werden.

Die meisten erwachsenen Patienten wiesen eine chronische, unbehandelte Parodontitis und generelle Gingivitis auf, waren aber sehr aufgeschlossen und nahmen das Angebot der „Limpieza“ (Zahnreinigung) dankbar an.
Leider ist der Posten der DH in der Klinik sehr unregelmäßig besetzt und die letzte Kollegin war vor einem halben Jahr vor Ort, somit ist eine konsequente Betreuung der PAR-Patienten noch nicht möglich, aber allein das Wissen über die Notwendigkeit und die Anleitung zur häuslichen Pflege sind ein erster Schritt.

Für das leibliche Wohl wurde bei den Hermanas gesorgt. Das Essen ist üppig und vorzüglich. Die Nonnen waren herzlich, fröhlich und jederzeit für Späße zu haben, daher waren die Essenszeiten mit den Nonnen und dem Priester vor Ort ein Höhepunkt meines Aufenthaltes.

An den Wochenenden hatte man Zeit für Ausflüge in der spannenden Umgebung (einige Naturparks sind in der Nähe) oder einfach zum Entspannen um auf der großen Terrasse in der Hängematte zu liegen und die wunderbare Landschaft zu genießen.
Die Sonntagsmesse ist ein Erlebnis. Die Frauen der Gemeinde fertigen jeden Sonntag vor der Messe üppige Blumengestecke für die Kirche in Gemeinschafts-arbeit an. Wunderbar!
Ich habe mich im letzten 3/4 Jahr intensiv um Spanischkenntnisse bemüht und war sehr froh darüber, denn die Patienten sprechen in der Regel kein Englisch. Amanda die Rezeptionistin ist Amerikanerin und eine der Assistentinnen spricht eine Mischung aus Spanisch, Englisch, Deutsch oder was auch immer erforderlich ist…
Da ich als DH alleine gearbeitet habe, war ich froh über das Gelernte. Die Patienten sind sehr verständnisvoll und haben mich in meinen Bemühungen sehr unterstützt.

Ich möchte die Zeit in Guadalupe nicht missen, die Hermanas, die Kollegen in der Klinik und die Patienten. Eine tolle Erfahrung, die mir zum einen noch einmal gezeigt hat, wie previlegiert wir in Europa sind und zum anderen, wie schön es ist, helfen zu können.
Ich wünsche der Klinik und allen, die hier jeden Tag ihr Bestes geben, viel Glück und Erfolg für die Zukunft.
Außerdem möchte ich mich beim BDDH herzlich für die finanzielle Unterstützung bedanken.