12. Symposium für Dentalhygiene des BDDH

Lifestyle – Wellness – Mainstream
Zahnärztliche Prophylaxe im Wandel der Zeit

Nachbericht zum 12. BDDH-Symposium in Münster

IreneThiesenSymposium2016Zum 12. Mal jährte sich das Symposium des Berufsverbandes Deutscher Dentalhygienikerinnen BDDH e.V. in Münster. Die äußeren Bedingungen waren erwartungsgemäß gut: strahlend blauer Himmel, nettes Ambiente, gut gelaunte Referenten. Der Titel der Veranstaltung machte neugierig. Was haben „Lifestyle, Wellness und Mainstream“ mit zahnärztlicher Prophylaxe zu tun? Ganz einfach: ein positiver Lebensstil hat längst Einzug in die Zahnmedizin gehalten. Nicht umsonst wird im Internet mit dem Wohlfühlcharakter einer Praxis geworben. Die farbliche Abstimmung der Praxisräume scheint dabei ebenso wichtig, wie das Abbilden von Teamfotos im netten Praxisoutfit. Darum ging es aber beim diesjährigen Symposium nicht. Vielmehr stand das Thema „Ernährung“ im Mittelpunkt der Fortbildung. Nicht zuletzt wird das Thema Ernährung in den Medien auf die verschiedenste Art und Weise aufgegriffen und gewinnt gesellschaftlich eine immer größere Bedeutung. Doch welchen Einfluss hat Ernährung auf unsere orale Gesundheit? Müssen wir zukünftig in der Prophylaxe und in der Parodontitistherapie auf die Ernährungsgewohnheiten unserer Patienten eingehen oder sie vielleicht sogar umstellen, um einen optimalen Therapieerfolg zu erzielen? Darauf ging DrJohanWoelberinsbesondere der Vortrag von Dr. Johan Wölber, Uni Freiburg, ein. Dass unsere persönlichen Verhaltensweisen die Parodontitis positiv oder negativ beeinflussen können, ist uns schon lange bewusst. Doch wie steht es konkret um unsere Nahrungsaufnahme, speziell die der Kohlenhydrate? Ausgehend von schweizer Untersuchungen der Gruppe um Stefan Baumgartner, die die Auswirkungen einer „Steinzeitdiät“ auf die Gingiva unter Wegfall von Mundhygiene erforschten, untersuchte Dr. Wölber den Effekt der Aufnahme von nieder- und hochglykämischen Kohlenhydraten. Durch hochglykämische Mono- und Disaccharide fördern wir die Insulinausschüttung in unserem Körper. Dies führt wiederum zur Hemmung des Fettabbaus, führt schneller zu einer relativen Unterzuckerung und fördert somit das Hungergefühl. Doch was hat das mit Parodontitis zu tun? Sowohl die Studien von Baumgartner als auch die von Wölber zeigten, dass bei unveränderter Mundhygiene allein durch Umstellung der Nahrung in Richtung Reduzierung der Mono- und Disaccharide und Reduzierung der Transfette, dagegen häufiger Verzehr von Lebensmitteln mit Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien, ein positiver Einfluss auf die parodontalen Parameter, wie BOP oder GI, zu beobachten ist. Allerdings fehlt bislang aufgrund von geringen Probantenzahlen und fehlenden Langzeitstudien noch die Evidenz, um eine Ernährungsintervention als festen Bestandteil in der PA-Therapie zu empfehlen.
PD DrClovisFaggionDr. Clovis Faggion, UKM Münster, stellte anhand von Studien den aktuellen Wissensstand bezüglich des Einflusses der Ernährung auf die parodotale Gewebe bei Parodontitispatienten vor.
Dr. Gabriele Geurtzen,DrGabrieleGeurtzen Oecotrophologin aus Kleve, stellte uns Vor- und Nachteile von Smoothies vor. Vorallem ging es darum, welche positiven, aber auch negativen Auswirkungen dieses „Lifestyle-Getränk“ haben kann. Besonders sollte die Gefahr von Erosionen und auch Karies für die Zähne nicht unterschätzt werden.
Sehr detailliert und fundiert beschrieb ProfDrDrThomasDietrichProf. Dr. Dr. Thomas Dietrich, Universität Birmingham, welche Rolle Vitamin D im Knochenstoffwechsel zukommt. In den letzten Jahren wurden zunehmend weitere Funktionen sowie Zusammenhänge mit verschiedenen Erkrankungen beschrieben. Auch eine möglich Bedeutung des Vitamin D in der Pathogenese oraler Erkrankungen wird diskutiert. Der Vortrag gab einen Überblick über den momentanen Stand der Untersuchungen, unter besonderer Berücksichtigung der entzündlichen Erkrankungen des Parodonts.
Doch es gab noch andere interessante Vorträge und Themen:
Hyaluronsäure – gut für Haut und Zahnfleisch? Dr. Daniel HagenfeldDrDanielHagenfeld, UKM Münster, beleuchtete den wissenschaftlichen Hintergrund und erörterte die Anwendungsmöglichkeiten in der zahnärztlichen Praxis kritisch.
Besonders herzlich empfangen wurde FrauChristinDamannChristin Damann, Dentalhygienikerin aus dem Münsterland. Sie beschrieb in ihrem erfrischenden Vortrag warum es sich lohnt, DH zu werden. Er sollte all denjenigen Denkanstoß und Ermutigung sein, die sich mit dem Gedanken an eine Fort- oder Weiterbildung tragen, aber den letzten Schritt vielleicht doch noch nicht gewagt haben.
Den Abschluss bildete Prof. Dr. Jean-Francois RouletProfDrJeanFrancoisRoulet, Gainesville Florida, mit der Aufforderung „Just do it!“. Mit charmantem schweizer Zungenschlag brach er für die Prophylaxe eine Lanze. Anhand von Abrechnungsbeispielen hielt er dem Publikum vor Augen, dass es sich nicht nur aus medizinischer Sicht lohnt Prophylaxe zu betreiben, sondern es sich auch finanziell rechnet.
Alles in allem ein gelungener Tag: nicht nur die engagierten Referenten, sondern auch die zahlreichen Aussteller und die zufriedenen Teilnemer/Innen machen uns Lust, das nächste Symposium zu planan.

Irene Thiesen
BDDH-Präsidentin

Impressionen

BDDH Symposium 2016 – Die Aussteller